Klimakrise betrifft auch Ostfriesland: Volles Haus bei Vortragsabend in der Kulturscheune Lütetsburg

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kulturscheune in Lütetsburg am Donnerstagabend den 11.06.2026. Auf Einladung der Klimagruppe Norden e.V. und des Ortsverbandes Norden-Krummhörn sprach der renommierte Klimaforscher und gebürtige Norder Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über die Frage: „Wie verändert sich unsere Welt durch die Klimakrise?“

Die große Resonanz zeigte eindrucksvoll: Das Thema bewegt die Menschen in unserer Region. Denn die Klimakrise ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Sie betrifft unsere Heimat unmittelbar von der Landwirtschaft über den Küstenschutz bis hin zur Gesundheit und Lebensqualität von uns Ostfriesen, Zugezogenen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern und unseren kommenden Generationen.

Prof. Dr. Lotze-Campen erläuterte anhand aktueller wissenschaftlicher Daten die bereits messbaren Veränderungen weltweit, in Europa und in Deutschland. Die globale Durchschnittstemperatur habe inzwischen erstmals die Marke von 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau überschritten. Gleichzeitig nähmen Extremwetterereignisse wie
Hitzeperioden, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen zu. Besonders eindrücklich waren die Beispiele aus unserer Region im Vergleich zum Rest Europas: steigende Durchschnittstemperaturen, deutlich mehr Hitzetage und zunehmende

Herausforderungen für Landwirtschaft, Städte und Infrastruktur durch Starkniederschlagstage. Auch Niedersachsen werde von diesen Entwicklungen nicht verschont bleiben. Die Frage sei längst nicht mehr, ob sich das Klima verändert, sondern wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Dabei machte der Referent deutlich, dass Klimaschutz und Klimaanpassung keine Gegensätze sind. Einerseits müsse der Ausstoß von Treibhausgasen konsequent reduziert
werden. Andererseits brauche es Maßnahmen, die Städte, Gemeinden und ländliche Räume widerstandsfähiger gegenüber den bereits spürbaren Folgen der Erderwärmung machen. Als Beispiele nannte er unter anderem sogenannte Schwammstadt-Konzepte, die Wasser besser speichern und gleichzeitig vor Starkregen schützen können.
Für viele Besucherinnen und Besucher war besonders der regionale Bezug von Bedeutung. Ostfriesland lebt von seiner einzigartigen Landschaft, seinen Dörfern, der Landwirtschaft, dem Tourismus und nicht zuletzt vom engen Zusammenhalt der Menschen.

Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie diese Heimat auch für unsere Kinder und Enkel lebenswert erhalten werden kann. „Wer in Ostfriesland aufgewachsen ist, kennt die Verbundenheit mit unserer Landschaft, mit den Deichen, den Feldern und dem Wattenmeer. Heimat zu bewahren bedeutet heute auch, Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen. Die Klimakrise fordert uns heraus, aber sie gibt uns auch die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und unsere Region nachhaltig zu stärken.“ (Anmerkung der Verfasserin: Isabel Immle) Im anschließenden Austausch nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen. Dabei wurde deutlich, dass viele Menschen sich weniger ideologische Debatten wünschen als vielmehr sachliche Informationen, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und konkrete Antworten auf die Herausforderungen vor Ort. Der Vortragsabend zeigte eindrucksvoll, dass Wissenschaft, Politik, Vereine und Bürgerschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten können. Die Klimakrise mag global sein die Antworten darauf beginnen jedoch oft direkt vor der unserer eigenen Haustür.

Ein besonderer Dank gilt der Klimagruppe Norden e.V. für die Organisation und engagierte Mitwirkung an der Gestaltung des Abends, dem Ortsverband Norden-Krummhörn von Bündvielen interessierten Gespräche haben gezeigt, wie wichtig solche Begegnungsorte für den gesellschaftlichen Austausch in unserer Region sind.

Büdnis 90/Die Grünen für die Unterstützung und Moderation der Veranstaltung sowie der Schlossverwaltung Lütetsburg für die Bereitstellung der wunderschönen Kulturscheune. Der große Zuspruch und die Bündnis 90/Die Grünen Aurich-Norden und der Ortsverband Norden-Krummhörn bedanken sich bei Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen sowie bei allen Besucherinnen und Besuchern für einen informativen, respektvollen und konstruktiven Abend in Lütetsburg.

 

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